PK-Forum: Rentnerlastige Pensionskassen als Klumpenrisiko
 
Für das 2. institutional assets Swiss Pension Forum ist ein erster Schwerpunkt gesetzt: Kassen mit hohem Rentneranteil sind bei der Vermögensanlage besonders herausgefordert.
 
Das Umfeld für institutionelle Investoren wie Pensionskassen ist schwierig. Der Corona-Crash hat die Vermögenserträge des letzten Jahres ausradiert. Für die Schweizer Vorsorgeeinrichtungen mit ihrer unterschiedliche Risikofähigkeit ist das Asset Management anspruchsvoller denn je. Verlangt wird die Quadratur des Kreises: Überdurchschnittliche Renditen, ausreichend Reserven für Verwerfungen an den Börsen und nachhaltig soll das Portfolio auch noch sein.
 
Besonders gefordert sind Vorsorgeeinrichtungen mit einem hohen Rentneranteil und insbesondere reine Rentnerkassen. Geraten solche Kassen in Unterdeckung, werden sie in Zeiten von Negativzinsen zum Sanierungsfall. Rund ein Viertel der Schweizer Vorsorgewerke sind rentnerlastig. Bereits gibt es Vorschläge, eine Art „Bad Bank“ für unterfinanzierte Einrichtungen zu etablieren. Am 2. institutional assets  Swiss Pension Forum vom 28.Oktober 2020 in Zürich wird sich ein Experten-Panel mit diesem Thema befassen.
 
Zudem droht die Reform der Altersvorsorge in der Schweiz ein weiteres Mal zu scheitern. Der Kompromiss der Sozialpartner ist politisch umstritten. Vorsorgeeinrichtungen, die ihre Hausaufgaben im widrigen Umfeld gemacht haben, ärgern sich über die geplanten Gießkannen-Lösungen. Was bedeutet dies für die Entscheidungsträger in den Vorsorgeeinrichtungen?  Die Zweitauflage des IASOF möchte die aktuellen Entwicklungen und langfristigen Herausforderungen der 2. Säule in der Schweiz aufgreifen, mit allen am Prozess Beteiligten diskutieren und konstruktiv nach Lösungen suchen. Für das Konferenzprogramm sind die Redakteure des Fachverlags der Frankfurt Allgemeinen Zeitung verantwortlich.
 
Für Interessierte:  Werden Sie Teil des Diskurses darüber, wie sich die institutionelle Welt in der Schweiz verändert und wie Anlageverantwortliche in dieser Welt weiterhin erfolgreich agieren können. Anmeldungen unter www.institutional-assets.com>swiss-pensions-forum

Wie gewonnen, so zerronnen
 
Der Corona-Crash hat die Gewinne der Schweizer Pensionskassen aus dem Vorjahr ausradiert. Die Lage ist aktuell unvorhersehbar.
 
Anfangs März versuchte das Beratungsunternehmen Complementa AG mit Hauptsitz in Zürich und Tochtergesellschaft in München mit seinem Risiko Check-up zum kapitalgewichteten Deckungsgrad von Schweizer Pensionskassen noch zu beruhigen: Trotz der massiven Kursstürze an den globalen Börsen müsse nicht der Notstand ausgerufen werden. Bis Ende Februar hatten die Kassen erst ein Drittel der Zugewinne aus dem Jahr 2019 verloren. Der durchschnittliche Deckungsgrad von Schweizer Pensionskassen sank in den ersten zwei Monaten 2020 von 109,5 auf 107,1 Prozent.
 
Das tönt komfortabel. Weil sich der Absturz in den letzten Tagen – mit kurzen Erholungsphasen – jedoch fortgesetzt hat, ist Complementa-Chef Heinz B. Rothacher vorsichtiger geworden: «Die Lage ist unvorhersehbar. Dramatisch wird es dann, wenn sich der Abwärtstrend fortsetzt.»
 
Positiv hat sich bisher der ausgeglichene Anlagemix der Vorsorgeeinrichtungen ausgewirkt. Zwar fielen die Renditen der festverzinslichen Werte, doch stiegen ihre Preise. Während sich die Aktienmärkte in der Vergangenheit relativ immun gegen Epidemien zeigten, ist es bei Covid-19 anders. Beim Ausbruch der SARS-Virus im Jahr 2003 waren hauptsächlich China und Hong Kong betroffen. Der Hang Seng Index stabilisierte sich, als die Epidemie unter Kontrolle war. Allerdings befanden sich die Bewertungen der Aktienmärkte nicht auf Höchstständen wie Anfang 2020. Und: China ist mittlerweile die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt und wesentlich stärker mit den globalen Produktionsketten verknüpft.
 
Heinz B. Rothacher sieht erst dann Licht am Ende des Tunnels, «wenn die Anzahl Krankheitsfälle weltweit wieder sinkt» oder ein wirksamer Impfstoff gefunden ist.

Die berufliche Vorsorge in der Schweiz steckt in der Sackgasse
 
Die Reform der Zweiten Säule in der Schweiz dürfte ein weiteres Mal scheitern. Dies zeigen die Resultate einer aktuellen Umfrage unter Branchenkennern.
 
Die Plattform «Vorsorgeforum» hat rund 500 Personen aus dem Umfeld der beruflichen Vorsorge zur geplanten Reform der Zweiten Säule in der Schweiz befragt. Nur ein knappes Drittel gibt der Reform eine Chance, 62 Prozent haben «alle Hoffnungen fahren lassen», wie es in der Auswertung heisst. Nicht ein einziger Befragter unter 45 Jahren glaubt, dass die Reform auf gutem Weg sei. Für die Sozialpartner, welche die Reform vorbereitet haben, und für die Regierung ist dies ein klarer Fingerzeig.
 
Das Kompensationsmodell der Regierung sieht einen abgestuften Rentenzuschlag für die Übergangsgeneration vor. Dieser Zuschlag soll die Senkung des Renten-Umwandlungssatzes weitgehend ausgleichen. Zwei Drittel verwerfen diesen Vorschlag völlig; bei Mitarbeitern von Pensionskassen beträgt die Zustimmungsquote gar nur fünf Prozent. Die Kommentare dazu sind eindeutig: Giesskanne, Unfug, Versagen, systemfremd, Killer der Revision.
 
Auch die geplante Senkung des gesetzlichen Umwandlungssatzes von 6,8 auf 6 Prozent bekommt schlechte Noten. Nur 16 Prozent erachten 6 Prozent als richtig; für 40 Prozent ist dieser Satz immer noch zu hoch und 44 Prozent finden das auch, meinen aber eine stärkere Senkung wäre politisch nicht durchsetzbar.
 
Besser kommen die Halbierung des Koordinationsabzugs und eine andere Beitragsskala weg. Ersteres bedeutet, dass der versicherbare Lohn steigt und damit mehr Kapital angespart werden kann. 83 Prozent der Befragten stimmen diesem Vorschlag zu. 61 Prozent bejahen eine Glättung der Beitragssätze auf nur noch zwei Stufen von 9 und 14 Prozent.
 
ASIP-Modell besser beurteilt
 
Das alternative Modell des Pensionskassenverbandes ASIP, das eine dezentrale Finanzierung der Ausgleichsmassnahmen vorsieht, kommt insgesamt besser weg als der Vorschlag der Regierung und der Sozialpartner. Voll einverstanden mit dem ASIP-Modell sind jedoch nur 22 Prozent, immerhin 67 Prozent aber zumindest teilweise.
 
Das ASIP-Modell möchte den Umwandlungssatz auf 5,8 Prozent senken. 41 Prozent finden das richtig, 36 Prozent votieren für einen tieferen Satz und der Rest ist für 6 Prozent. Nicht Teil der geplanten Reform war die Zusatzfrage zum Rentenalter. 35 Prozent meinen, eine Angleichung auf 65 Jahre für beide Geschlechter soll Teil der Revision sein. 37 Prozent bevorzugen ein Rentenalter, das sich der Entwicklung des Lebensalters anpasst und 16 Prozent verlangen eine Erhöhung auf 67 Jahre für Männer und Frauen.